Schwassmann Wachmann
3/B bei M 13 mit 4,5" und 18"
Forenbeitrag auf Astrotreff
Hallo Forum,
die Nacht vom 3. zum 4.Mai musste endlich mal wieder sinnvoll genutzt werden,
bot sie sich doch durch gleich mehrere Ereignisse geradezu an:
-Fragment B des Kometen 73P passiert in 1,3° Abstand M 13 und zerlegt sich währenddessen
selber
-Ganymed zieht vor der Jupiterscheibe vorher und bedeckt dabei seinen eigenen
Schatten partiell
Ausserdem war über die Wintermonate der 18" Selbstbau/-schliff meines
Sternfreundes Dittmar Recker fertig geworden und wartete seit längerem darauf
von mir eingehend begrabbelt zu werden. Da der Mond gegen 3:00 Uhr unterging kam
nur frühes Aufstehen in Frage, wollten wir doch den Kometen möglichst ohne natürliche
Lichtverschmutzung sehen können. Leider zogen schon nachmittags Zirrenfelder
auf, die sich gegen Abend immer weiter verdichteten. Obwohl sich die Situation
über Nacht eher noch verschlechtert hatte, trafen wir uns voller
Zweckoptimismus kurz vor 3:00 Uhr am Platz. Es dauerte keine 10 Minuten und der
Himmel klarte wenigstens im Zenit deutlich auf, die Grenzgrösse sank von ca.
2mag auf immerhin knapp 5,5mag. Die Transparenz war durch eine verbleibende dünne
Hochnebeldecke eher ungeeignet für schwache Kometenschweife :-(
Trotzdem war das mehr als man unter diesen Voraussetzungen erwarten konnte und
so wurden der 18"er und mein 4,5" Suchernewton aufgebaut.

Vom ersten Blick durch den 4,5"er war ich etwas irritiert, hatte ich doch
den Kometen deutlich heller erwartet. Ich schätze die Helligkeit grob auf
8,5-9mag. Aber selbst unter diesen recht miesen Bedingungen war mit nur 30x
Vergrösserung schon eindeutig eine längliche Koma mit diffus, fächerförmigem
Schweifansatz zu sehen. M 13 erschien im schönen Kontrast zum Kometen
wesentlich heller als rundlich diffuses Lichtbällchen mit deutlichem, flächigen
Kernbereich. Einzelsterne waren nicht zu sehen.

In Dittmar's 18"er konnte dann Dank des guten seeings und der sauberen
Optik ordentlich Gas gegeben werden und so wurde dem Kernbereich mit immer mehr
Vergrösserung intensiv auf die Pelle gerückt. Dank der grossen Öffnung war
selbst mit knapp 500x immer noch genügend Licht vorhanden. Die innere Koma war
nun sehr hell und stark elliptisch, umgeben von einer diffusen Hülle, die sich
"nach hinten" zu einem breiten Schweif auffächerte und sich irgendwo
dort verlor. In diesem fächerförmigen Schweif war recht leicht ein feiner und
gerader Plasmaschweif zu erkennen, der sich noch ein gutes Stückchen vom
Kernbereich verfolgen lies, vielleicht 10'. Die Achse des breiten Staubschweifs
schien zur Achse der Koma samt Plasmaschweif leicht geneigt, der Komet wirkte
dadurch deutlich asymmetrisch. Was wäre wohl unter einem besseren Himmel zu
sehen gewesen?
Natürlich wusste ich vom Zerbrechen dieses Fragmentes und tatsächlich schien
zum Anfang der Beobachtung immer wieder eine schwache Aufhellung in der Koma,
schon ein gutes Stückchen hinter dem unauffälligen Kern, aufzublitzen. Leider
wurden die Bedingungen schnell wieder etwas schlechter und so kann ich mir bei
diesem Detail leider nicht richtig sicher sein, da ich es nach den ersten
Minuten mit hoher Vergrösserung schon nicht mehr wiederfinden konnte. Ausserdem
zog der Komet schnell vor schwachen Sternen her, auch das kann ich nicht
ausschliessen.
Das Jupiterereignis schliesslich ging vollends im Horizontsiff der hohen Bewölkung
unter, ausser zwei Wolkenbändern war mit 18" auf Jupiter rein gar nichts
zu sehen. Trotzdem war es endlich mal wieder eine hochinteressante Nacht und das
frühe Aufstehen hat sich zum Glück doch gelohnt.